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Archäologische Grabungen am Zellhügel

In der Flur „Zellgarten“ westlich des Ortes Mainhausen-Zellhausen entdeckte 1953 der damalige Kreisbodendenkmalpfleger Karl Nahrgang im Umfeld einer 1816 abgerissenen Kirche die Reste einer Befestigungsanlage, die 10.000 m² umschloss. Sie bestand aus einer nur in den untersten Steinlagen bestehenden Mauer mit vorgelagertem Graben, in den Mauerschutt eingelagert war. Nahrgang datierte die Anlage in karolingische, vielleicht noch in spätfränkische Zeit. Das Ende setzte er aufgrund des Fehlens späterer Keramikarten um 1200 an.

Im Jahr 2009 veranlasste der Geschichts- und Heimatverein Mainhausen vor Ort eine Bodenradaruntersuchung auf rund 13.000 m². Zusammen mit den beiden Archäologinnen der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Offenbach, Frau Gesine Weber und Frau Dagmar Kroemer, wurden dann in den Jahren 2009, 2010, 2011, 2012, 2014, 2015 und erneut in 2016 archäologische Grabungen vorgenommen.

Im Ergebnis konnte eine stark befestigte Anlage mit zweiphasiger Entstehungsgeschichte nachgewiesen werden. Demnach wurde in karolingischer, vielleicht sogar schon in spät-merowingischer Zeit ein erster Graben ausgehoben. Im frühen 10. Jahrhundert wurde die 1,2 ha umfassende Anlage dann mit einem breiten und tiefen Graben und mit gemörtelten Mauern noch stärker befestigt. Die Funde aus den insgesamt 6 Grabungen untermauern die bedeutende Stellung der Befestigung. Silbermünzen, Fibeln, Importkeramik vor allem aus dem Rheinland, wie Pingsdorfer Ware oder Reliefbandamphoren, bis hin zu Bruchstücken von Tatinger Ware und nicht zuletzt der silbertauschierte Schwertknauf und die Glasreste aus dem 2011 aufgedeckten Keller belegen die Anwesenheit einer karolingisch-ottonischen Oberschicht.

Unter dem Titel "Die Mittelalterliche Befestigungsanlage Zellkirche" wurden die Grabungsergebnisse von 1953, 2009 und 2010 zusammenfassend dargestellt. Der Bericht umfasst 26 Seiten und kann als pdf-Datei heruntergeladen werden. Die Kurzfassungen der Grabungsberichte von 2011, 2012, 2014 und 2015 können unter Bericht 2011 , Bericht 2012, Bericht 2014 mit C14-Datierungen , Bericht 2015 mit C14-Datierungen und einer kurzen Wertung der C14-Ergebnisse eingesehen werden. Eine vollständige Liste der bisherigen Veröffentlichungen findet sich in der Rubrik "Publikationen". Der Grabungsbericht 2016 liegt noch nicht vor.

Die Ergebnisse der Grabungen von 2009 bis 2011 und von 2014 wurden im jeweiligen Jahresband der hessenArchäologie veröffentlicht: in hessenArchäologie 2009, in hessenArchäologie 2010 , in hessenArchäologie 2011, in hessenArchäologie 2012 und in hessenArchäologie 2014.

H. W. Böhme hat eine ausführliche Arbeit über "Burgenbau und Befestigungstechnik des 10. Jahrhunderts" veröffentlicht. L. Stenger versucht daraus neue Schlüsse für die Forschung am Zellhügel zu ziehen. Der unveröffentlichte Text liegt als pdf-Datei vor: "Die ottonenzeitliche Niederungsburg am Zellhügel". Nach der dendrochronologischen Datierung von Eichenholzresten darf man jetzt davon ausgehen: die Befestigung war eine "Heinrichs-Burg".

Bei der archäologischen Grabung 2016 wurden die Fundamentreste der Zellkirche gefunden, die genaue Lage und die Größe der Kirche konnten ermittelt werden (siehe dazu "Schultheiß Dieß und die Länge eines Schuhs").